Stellenanzeigen richtig lesen, verstehen und auswerten

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Stellenanzeigen richtig lesen, verstehen und auswerten: Wie das geht, erkläre ich dir hier. Ganz nebenbei legst du mit dieser Vorgehensweise den Grundstein für deine spätere Argumentationskette. So kannst du mit deiner Bewerbung exakt auf die Anforderungen aus der Stellenausschreibung eingehen.

Übersicht

  1. Stellenanzeige analysieren
  2. Argumente finden
  3. Die Auswertung
  4. Die Entscheidung
  5. Checkliste

Nicht selten berichten Personalchefs davon, dass viele Menschen, die sich auf eine bestimmte Stellenanzeige bewerben, die gestellten Anforderungen überhaupt nicht mitbringen. Folgerichtig bleibt ihnen dann nichts Anderes übrig, als diesen Bewerbern eine Absage zu schicken.

Ich frage mich, wie das passieren kann und komme zu dem Schluss: Viele Bewerber lesen die Stellenausschreibungen anscheinend nicht aufmerksam genug oder interpretieren sie schlichtweg falsch. Oder es ist ihnen sogar bewusst, dass sie eigentlich gar nicht auf die Stelle passen, aber sie probieren es (aus lauter Verzweiflung?) trotzdem. Egal, was der wirkliche Grund ist: Erfolg werden sie mit dieser Methode nicht haben!

1. Stellenanzeige analysieren

Es gibt 2 Arten von Anforderungen, die in Stellenanzeigen genannt werden:

  1. Muss-Kriterien: Diese Anforderungen musst Du unbedingt erfüllen, sonst hast Du (in der Regel) keine Chance auf die Stelle.
  2. Soll-Kriterien: Diese Anforderungen sollst Du nach Möglichkeit erfüllen. Sie stellen aber kein Ausschlusskriterium dar!

Hast Du eine Stellenanzeige gefunden, die dir zusagt, sortierst Du die darin enthaltenen Anforderungen also zunächst in diese 2 Rubriken. Wir haben dir hierfür wieder ein Arbeitsblatt vorbereitet, welches Du auch für die nächsten beiden Schritte benötigst. Lade es dir herunter und drucke es dir aus.

Lies dir die Stellenanzeige nun Satz für Satz sehr aufmerksam durch und finde heraus: Was ist ein Muss-, was ist ein Soll-Kriterium? Trage die herausgefundenen Anforderungen in die jeweilige Tabelle ein.

Muss-Anforderungen erkennst Du häufig an diesen Formulierungen:

"...setzen wir voraus."

"Kenntnisse im Bereich ... sind unabdingbar."

"Wir gehen davon aus, dass..."

Soll-Anforderungen erkennst Du häufig hieran:

"Vorteilhaft / von Vorteil sind..."

"Idealerweise bringen sie auch noch ... mit."

"... runden Ihr Profil ab."

"Bevorzugt..."

2. Argumente finden

Überlege dir nun für jede in der Anzeige genannte Anforderung mindestens ein Argument in Form eines Beispiels, mit dem Du belegen kannst, dass Du diese Anforderung erfüllst.

Bei erforderlichen Qualifikationen ist das meist sehr einfach. Wird bspw. nach einem abgeschlossenem BWL-Studium gefragt, belegst Du dieses mit deinem Diplomzeugnis und fertig.

Richtig schwierig hingegen kann es sein, für erwünschte Softskills einen geeigneten Beleg zu finden. Überlege, in welchen Situationen Du die verlangte Fähigkeit bereits einmal unter Beweis stellen konntest. Das kann sowohl eine Situation aus deinem Berufs- oder Schulleben sein, als auch aus deiner Freizeit oder deinen Hobbyaktivitäten. Versuche, ein möglichst überzeugendes Beispiel für so eine Situation zu finden und trage es in die rechte Spalte des Arbeitsblatts gegenüber der jeweiligen Anforderung ein.

(Hast Du unsere Potenzialanalyse in Abschnitt 1 durchgeführt, werden dir solche Beispiele jetzt sicher leichter einfallen. Orientiere dich einfach daran.)

Mit dieser Vorgehensweise legst Du den Grundstein für deine spätere Argumentationskette. Hierbei stellst Du auch sehr bald fest, welche Anforderungen Du überhaupt nicht belegen kannst - über welche geforderten Erfahrungen oder Fähigkeiten Du also offenbar nicht verfügst. Für deine noch ausstehende Entscheidung, ob es Sinn macht, sich auf diese Anzeige zu bewerben, ist das sehr wichtig!

Wenn Du für jede Anforderung ein Argument, einen Beleg gefunden und aufgeschrieben hast, kannst Du diese Anzeige im nächsten Schritt auswerten.

3. Die Auswertung

Die Auswertung geht nun recht zügig: Markiere dazu in der mittleren, schmalen Spalte, ob Du eine Anforderung erfüllst und mit einem Nachweis belegen kannst oder eben nicht. Notiere dir dann zusammenfassend, wie vielen Muss- und wie vielen Soll-Anforderungen Du entsprichst.

Beispiel: Muss-Anforderungen 4 von 5, Kann-Anforderungen 1 von 3.

4. Die Entscheidung

Machst es Sinn, mich auf diese Anzeige zu bewerben? Das ist die entscheidende Frage...

Eine eindeutige, wissenschaftliche Antwort darauf gibt es nicht. Hier unsere Faustregel:

Es macht Sinn, mich auf diese Stelle zu bewerben, wenn...

  • ich mehr als die Hälfte der geforderten Muss-Kriterien erfülle und

  • ich die wesentlichen, geforderten Fachkenntnisse mitbringe und

  • für jedes Muss-Kriterium, dem ich nicht entspriche, mindestens 2 der gewünschten Soll-Kriterien nachweisen kann und dieses Defizit so wieder ausgleiche.

Diese Entscheidung ist manchmal nicht ganz einfach und ist letztendlich dir allein überlassen. Je weniger Anforderungen Du nachweisen kannst, desto größer ist natürlich das Risiko, eine Absage zu erhalten. Ob Du es in Kauf nimmst, ist deine Entscheidung...

Gerade fehlende Qualifikationen (Muss-Kriterien) wie ein Hochschulstudium lassen sich - wenn überhaupt - nur dann ausgleichen, wenn Du im Gegenzug alle Soll-Anforderungen erfüllst - und darüber hinaus ggf. noch weitere Argumente (in Form von Fähigkeiten, Qualifikationen, Eigenschaften) für dich einbringen und nachweisen kannst.

Ein fehlendes Studium könntest Du so unter Umständen z.B. mit einer nachgewiesenen Techniker- oder Meisterausbildung ausgleichen. Generell kann man sagen:

Mit mehrjähriger Berufserfahrung in dem angestrebten Bereich lässt sich das Defizit einer fehlenden, aber geforderten Ausbildung wettmachen.

Checkliste

  • Ich habe mir die Anzeige aufmerksam durchgelesen und die genannten Anforderungen in Muss- und Soll-Anforderungen unterteilt.
  • Ich habe mir für jede Anforderung überlegt, wie ich diese in Form von Beispielen aus meinem (Berufs-)Leben belegen kann und welche Nachweise ich dazu vorweisen kann.
  • Ich habe ausgewertet, inwieweit ich den Anforderungen entspreche und kann nun eine fundierte Entscheidung treffen, ob es Sinn macht, mich auf diese Anzeige zu bewerben.
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